BONSAI Arbeitskreis Niederrhein
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Aktuelles

Aufgrund der Covid-19-Situation sind vorerst alle Termine in der Gärtnerei Schlößer abgesagt.

 

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Die Linde

Seit jeher ist die Linde ein Baum des Volkes. Unter ihr wurde getanzt und Gericht gehalten. Ihr Holz dient, da es weich und weiß ist, zum Schnitzen. Ihre Blüten sind Bienenweide und Volksmedizin (Lindenblütentee bei Beschwerden der Atemwege). Als Forstbaum erreichte die Linde nie die Bedeutung der Eiche. In freier Natur kann sie ein stattlicher Baum werden mit einer Höhe bis zu 30 m und einem Alter von 1000 Jahren, einige Dorflinden zeugen davon.

In Deutschland findet man hauptsächlich die Sommer- und Winterlinden und ihren Bastard, die Holländische Linde. Sie unterscheiden sich durch ihre Blätter: bei der Sommerlinde sind die Blätter oberseits matt dunkelgrün, unterseits heller grün, bei der Winterlinde sind sie oberseits glänzend dunkelgrün, unterseits blaugrün. Bei gesammelten oder aus Samen gezogenen Pflanzen kann man durch die Vermischung beider Arten oft keine strenge Zuordnung erkennen.

Bei der Gestaltung kommt die Besenform und die aufrechte Form dem natürlichen Wuchs am nächsten. Die Linde ist an einem halbschattigen Standort am einfachsten zu pflegen. Da sie salzempfindlich ist, reichert sie bei sonnigem Standort die im Wasser gelösten Salze an, dies macht sich an braunen Blatträndern bemerkbar. Bei Gießen mit Regenwasser entstehen diese Schäden kaum. Die Linde sollte gut feucht gehalten werden, Staunässe ist aber zu vermeiden.

Da Linden gut schnittverträglich sind, treiben sie nach einem Rückschnitt schnell wieder aus. Diese Gestaltungsarbeit sollte aber bis Mitte August abgeschlossen sein, da der Baum dann evtl. das Wachstum einstellt und erst im nächsten Frühjahr wieder austreibt. Da bei der Linde auch ältere Äste lange biegsam bleiben, lassen sie sich gut drahten. Vorsicht ist allerdings geboten, da die Rinde empfindlich ist und Verletzungen und Druckstellen sichtbare Schäden hinterlassen.

Als Schädlinge treten Spinnmilben (schmutzig-braune Verfärbungen der Blätter) und Gallmilben (pustelartige Erhebungen auf der Blattober- oder -unterseite) auf.

Die Linde eignet sich gut zur Bonsaigestaltung und ist eng mit unserer Kulturgeschichte verbunden, da sie schon den Germanen als heiliger Baum galt.

Horst Jansen

Von der Vorgartenkiefer zum Bonsai

 

Im späten Frühjahr 2011 entschied ich mich, eine Bergkiefer (Pinus Mugo) aus einem Vorgarten auszugraben und zu einem Bonsai umzugestalten.

 

Auf den ersten Blick war mir klar, wohin die Reise gehen soll. Eine Halbkaskade sollte es werden. Zum Glück war die Mugo zwischen drei Kantensteinen eingebettet und hatte nur eine ziemlich dicke Versorgungswurzel. Beim Ausgraben kappte ich sie bis auf 20 cm Länge, ließ aber mehrere mittelgroße Wurzeln, die mit reichlich Feinwurzeln versehen waren, am Stamm, damit die Kiefer noch mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt werden konnte.

Grob in Form geschnitten, pflanzte ich den Baum in ein Speisfass. Dieses hatte ich vorher mittels mehrerer 10 mm großen Abflusslöcher und einer Drainage aus einem Kies-Sand-Gemisch (ca. 1/3) vorbereitet. Darauf kam eine Schicht Blähton und anschließend setzte ich die Kiefer auf Bonsaierde mit reichlich Bims und Akadama. Somit war die Wasserdurchlässigkeit gewährleistet und Staunässe hatte keine Chance. Zu guter Letzt fixierte ich den Baum mit Draht, um das Wachstum der neuen Wurzeln nicht zu gefährden.

Jetzt hieß es abwarten und auf neuen Austrieb warten.

Im Sommer 2012 war die Überraschung groß. Es hatten sich viele neue Knospen mit relativ viel Grün gebildet.

 

 

 

 

 

Bis zum Jahr 2013 ließ ich die Mugo in Ruhe wachsen, Wurzeln und Grün bilden. Hier und da setzte ich schon einmal ein paar Schnitte nach der ersten Knospe an, um herauszufinden, wie die Kiefer darauf reagiert. Sie nahm es mir aber nicht übel, ganz im Gegenteil, sie reagierte immer mit neuen Knospenaustrieb und kleineren Nadeln.

Im Frühjahr 2013 war es dann Zeit für ein kleineres Gefäß. Ich bastelte mir eine passende Kiste aus Holzresten (45 cm x 45 cm x 25 cm). 1/3 füllte ich sie wieder mit Blähton und den Rest mit der bekannten Bonsai-Erdmischung. Der reichlich vorhandene Mykorrhiza Pilz kam zum Teil mit in die Erdmischung. Gut mit Draht fixiert, schnitt ich die Mugo immer wieder bis auf eine Knospe zurück. Sie entwickelte sich phantastisch. Die Knospen sprießten nur so und sie trieb förmlich aus jedem Knopfloch aus.

Im Frühjahr 2014 war reichlich Zuwachs da, die Nadeln wurden auch zusehends kürzer, sodass endlich die passende Bonsaischale für die Mugo gefunden werden musste. Es sollte eine nicht zu flache und nicht zu kleine Schale werden. 

Ausgewählt hatte ich eine sechseckige, tiefe Schale, die in etwa den Abmessungen der Kiste entsprach.

Anfang 2015 war es dann soweit, die Mugo zu gestalten. Einige Äste mussten weichen. Komplett durchgedrahtet bekam die Kiefer ihren ersten Feinschliff.

Im Frühjahr 2018 habe ich mich an die Totholzbear-beitung gewagt. Mit einer Jin- und Wurzelzange bearbeitete ich die groben Schnittstellen. Das Ende des zu bearbeiteten Holzes zog ich mit Hilfe der Jinzange Faser für Faser ab. Anschließend mischte ich das Jinmittel mit ein wenig Ruß und bepinselte die entsprechenden Stellen. 

Das Ergebnis im März 2020 seht ihr hier.

 

Auf eines möchte ich an dieser Stelle noch hinweisen. Ich habe die Kiefer aus einem ca. 30 Jahre alten Vorgarten ausgegraben. Durch Zufall hatte ich den Besitzer getroffen und über mein Interesse an der Kiefer angesprochen, der sofort positiv reagierte, weil der Vorgarten als Parkplatz umgestaltet werden sollte. Eine zweite Kiefer (Pinus Mugo) hat die Aktion nicht überlebt. Damit möchte ich nur zum Ausdruck bringen, dass es keine Garantie gibt, dass so ein Versuch auch klappt. Ich hatte Glück und habe jeden Tag viel Spaß, der Kiefer zuzusehen, wie sie sich zusehends positiv verändert.

Text und Bilder: Uwe Westphal

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