BONSAI Arbeitskreis Niederrhein
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Aktuelles

Der BONSAI-Arbeitskreis trifft sich wieder am Sonntag, dem 25.09.2022 im Botanischen Garten Duisburg-Hamborn 

aktuelle Informationen

Umpflanzen von Bonsai

 

Die Erde

Hauptaufgabe der Erde ist es, den Bonsai stets mit genügend Wasser und Nährstoffen zu versorgen. Sie sollte viele kleine Hohlräume enthalten, damit die Wurzeln atmen können. Gleichzeitig gibt die Erde dem Baum Halt, sie sollte also nicht zu locker sein, überschüssiges Wasser muss aber abfließen können.

Für Laubbäume besteht die Erde aus einer Mischung von je einem Teil humoser Anzuchterde, Lehm (Granulat) und Sand (oder Lava-, Bims-, Granitsplitt). Bei Nadelbäumen kann der Anteil der Anzuchterde auf die Hälfte reduziert werden. Für Moorbeetpflanzen (Azaleen, Kamelien) eignet sich Kanuma, eine japanische Bonsai-Erde, die einen niedrigen pH-Wert besitzt und durch ihre grobe Struktur Staunässe verhindert. Alle diese Mischungen enthalten nur wenige Nährstoffe, sie müssen über regelmäßige Düngung extra zugeführt werden.

Einfacher ist es, aus dem Bonsaihandel oder Gartencenter fertige Erdmischungen zu beziehen, die ggf. für spezielle Bedürfnisse verändert werden können. 

 

Das Umtopfen

Die beste Zeit für das Umtopfen von Laubbäumen ist das zeitige Frühjahr. Nadelbäume lassen sich auch noch gut im August oder September umtopfen, Moorbeetpflanzen nach der Blüte.

 

Wie oft wird umgetopft?

Ein in der Entwicklung befindlicher Baum sollte alle ein bis zwei Jahre umgetopft werden, ältere, reife Bonsai bei guter Nährstoffversorgung auch alle drei Jahre. Grundsätzlich sollte spätestens dann umgetopft werden, wenn die Erde verfestigt ist oder starke Kalk- und Salzablagerungen aufweist.

Beim Umtopfen können zwei Drittel der Erde und ein Drittel der Wurzeln entfernt werden. Der Ballenkern sollte nur von Erde befreit werden, wenn Korrekturen am Wurzelansatz nötig sind. Mit einer Wurzelkralle kämmt man den Wurzelfilz und abgestorbene Wurzeln aus. Beim Beschneiden der Wurzeln sollte man die feinen Saugwurzeln schonen, sie werden vom Baum für die Nahrungsaufnahme gebraucht. Viele Bäume leben mit einem Symbiosepilz zusammen, der die Nährstoffe für den Baum verfügbar macht, er ist als weißes Gewebe im Boden zu sehen. Man sollte das Ausspülen des Ballens vermeiden, da hierdurch der Pilz geschädigt wird.

Bevor der Baum wieder in die Schale kommt, werden die Abzugslöcher mit klei-nen Sieben abgedeckt, um das spätere Ausspülen von Erde zu verhindern. Dann kommt zuunterst eine Drainageschicht (Split, Kies o.ä.) in die Schale, sie soll einen guten Wasserabzug sichern. Nun setzt man den Baum ein und fixiert ihn mit Drähten, damit er einen festen Halt hat und die neuen feinen Wurzeln nicht durch Bewegungen abgerissen werden. Danach wird die neue Erde aufgefüllt und mit einem Holzstäbchen bestehende Hohlräume im Ballen beseitigt. Zum Schluss darf das Angießen nicht vergessen werden, hierbei wird so viel gegossen, bis das Wasser durch die Abzugslöcher abläuft.

Vorstehende Tipps können nur einen groben Überblick geben; für Fragen nach pflanzentypischen Besonderheiten steht unser Kontaktformular zur Verfügung – oder ein Besuch bei uns an einem der nächsten Sonntage.

                                                                                                         Horst Jansen

Von der Vorgartenkiefer zum Bonsai

 

Im späten Frühjahr 2011 entschied ich mich, eine Bergkiefer (Pinus Mugo) aus einem Vorgarten auszugraben und zu einem Bonsai umzugestalten.

 

Auf den ersten Blick war mir klar, wohin die Reise gehen soll. Eine Halbkaskade sollte es werden. Zum Glück war die Mugo zwischen drei Kantensteinen eingebettet und hatte nur eine ziemlich dicke Versorgungswurzel. Beim Ausgraben kappte ich sie bis auf 20 cm Länge, ließ aber mehrere mittelgroße Wurzeln, die mit reichlich Feinwurzeln versehen waren, am Stamm, damit die Kiefer noch mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt werden konnte.

Grob in Form geschnitten, pflanzte ich den Baum in ein Speisfass. Dieses hatte ich vorher mittels mehrerer 10 mm großen Abflusslöcher und einer Drainage aus einem Kies-Sand-Gemisch (ca. 1/3) vorbereitet. Darauf kam eine Schicht Blähton und anschließend setzte ich die Kiefer auf Bonsaierde mit reichlich Bims und Akadama. Somit war die Wasserdurchlässigkeit gewährleistet und Staunässe hatte keine Chance. Zu guter Letzt fixierte ich den Baum mit Draht, um das Wachstum der neuen Wurzeln nicht zu gefährden.

Jetzt hieß es abwarten und auf neuen Austrieb warten.

Im Sommer 2012 war die Überraschung groß. Es hatten sich viele neue Knospen mit relativ viel Grün gebildet.

 

 

 

 

 

Bis zum Jahr 2013 ließ ich die Mugo in Ruhe wachsen, Wurzeln und Grün bilden. Hier und da setzte ich schon einmal ein paar Schnitte nach der ersten Knospe an, um herauszufinden, wie die Kiefer darauf reagiert. Sie nahm es mir aber nicht übel, ganz im Gegenteil, sie reagierte immer mit neuen Knospenaustrieb und kleineren Nadeln.

Im Frühjahr 2013 war es dann Zeit für ein kleineres Gefäß. Ich bastelte mir eine passende Kiste aus Holzresten (45 cm x 45 cm x 25 cm). 1/3 füllte ich sie wieder mit Blähton und den Rest mit der bekannten Bonsai-Erdmischung. Der reichlich vorhandene Mykorrhiza Pilz kam zum Teil mit in die Erdmischung. Gut mit Draht fixiert, schnitt ich die Mugo immer wieder bis auf eine Knospe zurück. Sie entwickelte sich phantastisch. Die Knospen sprießten nur so und sie trieb förmlich aus jedem Knopfloch aus.

Im Frühjahr 2014 war reichlich Zuwachs da, die Nadeln wurden auch zusehends kürzer, sodass endlich die passende Bonsaischale für die Mugo gefunden werden musste. Es sollte eine nicht zu flache und nicht zu kleine Schale werden. 

Ausgewählt hatte ich eine sechseckige, tiefe Schale, die in etwa den Abmessungen der Kiste entsprach.

Anfang 2015 war es dann soweit, die Mugo zu gestalten. Einige Äste mussten weichen. Komplett durchgedrahtet bekam die Kiefer ihren ersten Feinschliff.

Im Frühjahr 2018 habe ich mich an die Totholzbear-beitung gewagt. Mit einer Jin- und Wurzelzange bearbeitete ich die groben Schnittstellen. Das Ende des zu bearbeiteten Holzes zog ich mit Hilfe der Jinzange Faser für Faser ab. Anschließend mischte ich das Jinmittel mit ein wenig Ruß und bepinselte die entsprechenden Stellen. 

Das Ergebnis im März 2020 seht ihr hier.

 

Auf eines möchte ich an dieser Stelle noch hinweisen. Ich habe die Kiefer aus einem ca. 30 Jahre alten Vorgarten ausgegraben. Durch Zufall hatte ich den Besitzer getroffen und über mein Interesse an der Kiefer angesprochen, der sofort positiv reagierte, weil der Vorgarten als Parkplatz umgestaltet werden sollte. Eine zweite Kiefer (Pinus Mugo) hat die Aktion nicht überlebt. Damit möchte ich nur zum Ausdruck bringen, dass es keine Garantie gibt, dass so ein Versuch auch klappt. Ich hatte Glück und habe jeden Tag viel Spaß, der Kiefer zuzusehen, wie sie sich zusehends positiv verändert.

Text und Fotos: Uwe Westphal

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